Die ersten Aufträge

Die Sehnsucht nach meiner Familie und meinen Freunden ließ mich zu jener Zeit wieder zurück in meine Heimat ziehen. Dort kümmerte ich mich darum, dass die Welt von meiner Existenz erfuhr und was genau sie von mir erwarten konnte. Ich ließ ein Logo erstellen, Flyer, engagierte einen Steuerberater und alles, was noch so dazu gehört. Die erste Homepage erstellte ich mit Hilfe eines sogenannten „Baukastensystems“ von einem der Internetanbieter selbst.

Ich wusste damals nicht, ob es auch auf dem Land einen Markt für mich geben würde, aber ich wusste, dass ich auch weiterhin alles tun würde, um meine beruflichen Ziele und die ersten Aufträge zu realisieren.

Ich bin schon immer der ordentliche und organisierte Typ gewesen. Außerdem war es mir sehr wichtig, dass der erste Eindruck die Professionalität wiedergeben sollte, die der Ernsthaftigkeit meines Start-ups und der Hingabe zu meinem Beruf entspricht. Die Leute sollten sofort merken, dass das kein halbherziger Versuch eines Unternehmertums sein sollte, sondern vom ersten Kontakt bis zur Ausführung des Auftrags professionell war.

Bei allem, was ich an Vorbereitungen für meine Arbeit traf, stellte ich mir immer vor, was ich als potentielle Kundin toll oder schlecht finden würde. Ich war und bin es noch: In einem gesunden Maße ehrgeizig. Mein Unternehmen ist mir wichtig, deshalb hege und pflege ich es bis ins letzte Detail.

In gesundem Maße bedeutet aber auch: Ausgleich! Neue Ideen kommen oft in der Entspannung oder wenn man ganz neue Erfahrungen macht. Keiner kann dauerhaft gute, kreative Arbeit leisten, wenn er sich zwischendurch nicht regeneriert. Ich ernähre mich gesund, trinke viel (zum Beispiel Gin Tonic – Späßchen ;-), gehe so oft als möglich in die Natur, und ich bewege mich viel. Das alles lässt mich auch ohne Make-up strahlen und gibt mir die Gelassenheit, die ich im Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen für meinen Job und Aufträge wirklich auch brauche. Schaut nach euch und euren Bedürfnissen! Tut ihr es nicht, wird es sich eines Tages rächen.

Michaela Ioannidou ungeschminkt

Michaela Ioannidou ungeschminkt

Soziale Medien wie Facebook & Co. gab es zu der Zeit natürlich schon, aber sie wurden, zumindest in Deutschland, eher für private Zwecke genutzt. Mein Networking machte ich damals über die „Model-kartei.de“. Dort bin ich auch heute noch präsent. Es ist eine Plattform für Models, Fotografen sowie Make-up Artists und Visagisten.
Hier fand ich nicht nur Ausschreibungen für die ersten Aufträge, sondern auch einen „Stammtisch“, der einmal monatlich in meiner Nachbarstadt stattfand. So lernte ich Leute aus meiner Umgebung kennen, die wichtig für mein Business sind.

Man konnte vor 10 Jahren nicht einfach ins Internet gehen, um Networking zu betreiben, denn es gab ganz einfach noch keine sozialen Medien, die das hergaben – wie heute Twitter, Facebook, Instagram, Xing oder Linked, um nur die wichtigsten zu nennen.

Natürlich ist in meiner Branche auch YouTube eine sehr gute Anlaufstelle.

Der Aufwand, bekannt zu werden, war viel größer, als es heute der Fall wäre. Allerdings war ich in unserer Region eine Pionierin der Beauty-Branche. Es gab vor Ort sehr lange niemanden wie mich. Heute ist es andersherum: Mit einem Mausklick findet man in jeder Stadt Make-up Artists für fast jedes Budget und mit unterschiedlichen zusätzlichen Angeboten.

Das heißt natürlich auch, dass du dich durchsetzen musst, wenn du dich heute in dieser Branche selbstständig machen willst – nicht indem du alle anderen k.o. schlägst, sondern du deiner Zielgruppe bietest, was im Trend ist. Dazu aber später mehr.

Im Übrigen schlage ich meine Mitbewerber sowieso nicht k.o., sondern bilde sie aus. Mehr Details zur Ausbildung „Make-up Artist“ findet Ihr unter Make-up Kurse und auf Anfrage.

Die erste Braut, die mich für Ihr Hochzeits-Make-up beauftragte, war eine ehemalige Arbeitskollegin. Ich akquirierte sie ganz einfach, indem ich sie direkt fragte, ob sie mir den Auftrag gibt, und sie stimmte zu. Meine zweite Braut kam durch die Empfehlung einer meiner Freundinnen. Dieser Braut stylte ich zur Probe auch die Haare. Hairstyling hatte in meiner Ausbildung zwar auch einen kleinen Bereich eingenommen, doch leider waren meine Fähigkeiten in diesem noch nicht gut genug. Sie buchte mich also nur für das Braut-Make-up.

Wenn Ihr den Text bis hierhin aufmerksam verfolgt habt, fällt euch vielleicht eine Sache auf:

Wenn etwas nicht klappte, suchte ich eine Lösung! Aufgeben war keine Option. Als die Schule ihr Versprechen mit den Jobs nicht halten konnte, bin ich losgezogen und habe mitten im Winter in ganz München Zettel verteilt.

Das gleiche geschah mit der Brautfrisur:

Um mir die Fähigkeiten nachträglich im ausreichenden Umfang anzueignen, besuchte ich im November 2006 die Friseurwerkschule Meininghaus in Forchheim. Diese wurde mir von Pure Idea (das ist die Schule, bei der ich meine Make-up-Artist-Ausbildung absolviert hatte) empfohlen. Damals wurde mir schon gesagt, dass ein Fotograf hier in Deutschland in der Regel jemanden bucht, der beides kann. Ich ließ mich im Haare-Schneiden, Färben, Stylen und Hochstecken schulen. Ich wollte die Basics erlernen. Der Output einer qualifizierten, dualen Ausbildung über drei Jahre, die ein Friseur mit Prüfung absolvieren muss, ist natürlich nicht zu vergleichen mit so einem Kurs. Es ging mir darum, dass ich meinen Auftraggebern, ob Braut oder Fotograf, in Zukunft beides, Make-up und Hairstyling, anbieten konnte.

Wenn mal etwas nicht klappt, ist das also, wie ihr seht, kein Grund, auf der Stelle die Flinte ins Korn zu werfen, sondern diese Defizite zu kompensieren. Je öfter ihr dies tut, umso mehr wird es euer Leben prägen und umso besser kommt ihr in der Zukunft mit großen oder kleinen Krisen zurecht sowie bei euren Plänen voran. Willensstärke und Durchhaltevermögen kann man auch trainieren, genauso wie einen Muskel.

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